Ernährung

B.A.R.F. - Was bedeutet das?

Barf ist eine Ernährungsform für Hunde (aber auch für Katzen und Frettchen) bei der die Tiere mit rohem Fleisch, Eingeweiden, Knochen, Obst und Gemüse gefüttert wird. Diese Art der Fütterung geht auf den australischen Tierarzt Dr. Ian Billinghurst zurück. Seine Erkenntnisse zum Thema “Krankheitsvermeidung durch artgerechte Fütterung” veröffentlichte er in dem Buch Give your Dog a Bone. Aus diesen Forschungsergebnissen entwickelte sich eine Fütterungsart die von der Kanadierin  Debbie Tripp schließlich als BARF bezeichnet wurde. Da Debbie Tripp der Fütterungsmethode zu Beginn skeptisch gegenüberstand, stand das Akronym BARF zu Beginn für den wenig schmeichelhaften Terminus “Born Again Raw Freaks”. Da sich Debbie Tripps Einstellung jedoch nach  einigen Debatten wandelte, wird das Akronym heutzutage mit “Bones and Raw Food” oder “Biologically Appropriate Raw Food” aufgelöst. Im Deutschen spricht man in der Regel von “Biologisch Artgerechtem Rohen Futter”.
Barfen ist nur eine Form der Rohfütterung, wird aber das es die bekannteste Variante ist von einigen Hundehaltern auch Synonym für die Rohfütterung benutzt.

Wieso ich meine Hunde roh füttere...

Den Grund für die Entscheidung vom Fertigfutter zur Rohfütterung zu wechseln war unser Schäferhund Rüde Mark. Als wir ihn aus dem Tierheim holten war er auf Grund des anhaltenden psychischen Stress auf 30 kg abgemagert. Wir bekamen damals für die Anfangszeit vom Tierheim Trockenfutter gestellt, dass der Rüde gewohnt war. Doch Mark fraß schlecht und die Futtermenge, die er täglich zu sich nahm reichte gerade, um sein Gewicht zu halten. Um wirklich wieder ein paar Kilo auf die Rippen zu bekommen, hätte er noch viel mehr zu sich nehmen müssen. Nach kurzer Zeit bekam er einen stark juckenden Hautausschlag - eine Reaktion die nach Angaben der Tierpfleger auch viele Tierheimhunde auf das Futter zeigten. Wir bekamen neues Futter vom Tierheim, eine andere Premium-Marke, doch es wurde nicht besser.

 

Verdauungsprobleme, Gastritis und Hautentzündungen blieben. Schließlich bekam Mark das selbe Futter wie Lena. Sein Gewicht normalisierte sich schnell und die Haut- und Verdauungsprobleme gingen zurück, aber nicht ganz weg. Zwei Jahre lief es ganz gut, bis Mark im Dezember 2007 an einer schweren Entzündung der Magen- und Darmschleimhaut erkrankte. Zudem bekam er zu dieser Zeit regelmäßig Kortison gegen die wiederkehrenden Hautreizungen.

 

Ich begann nach zu forschen und stieß auf das Rohfutter-Konzept. Nach kurzen Überlegungen starteten wir die Futterumstellung und bereits in der Anfangszeit als noch geringe Mengen Trockenfutter zu gegeben wurden, zeigte sich eine deutliche Verbesserung in Marks Befinden. Er fraß freudig, hatte keine Verdauungsprobleme mehr und seit wir mit der Zufütterung der rohen Zutaten begannen, benötigte er auch weniger Kortison. Bis zu seinem Lebensende brauchte er in diesem Bereich keine Behandlung mehr.

Ich möchte auf dieser Seite niemanden zur Rohfütterung missionieren. Es ist mir einfach nur ein Anliegen, Interessierte über diese Ernährungsweise und meine Erfahrungen damit zu informieren!

FAQs die auch ich mir zu Beginn gestellt habe

Ist Fertigfutter wirklich so schlecht?

Viele Rohfütterer werden mit Sicherheit mit einem lauten JA! antworten. Doch so generell möchte ich diese Antwort nicht unterstreichen. Es gibt viele Hunde, die mit Fertigfutter (auch mit dem Billigen) sehr lange und gesund leben. Der Schnauzer meiner Großeltern verstarb im Alter von 15 Jahren und hatte sein Leben lang nur Pedigree-Dosenfutter zu sich genommen. Wirklich geschadet hat es ihm wohl nicht. Dennoch gibt es oft  Probleme mit der Fertignahrung für Hunde. Selbst die besten Futtersorten beinhalten meist einen hohen Getreideanteil, was nicht jeder Hundemagen verkraftet. Ein wirkliches Problem entsteht dann wenn ein Hund allergische Reaktionen zeigt, wie unser Mark. Wer einmal einen Blick auf die Zusammensetzung eines Hundefutters geworfen hat, wird sich schnell darüber im Klaren sein, dass es ein Ding der Unmöglichkeit ist, herauszufinden worauf genau der Hund empfindlich reagiert. Wenn man Glück hat ist es eines der Hauptbestandteile, eine bestimmte Getreidesorte oder die Fleischart. Wenn nicht, hat man ein Problem. In diesem Punkt sehe ich den großen Vorteil im Rohfutter. Ich weiß genau welche Zusatzstoffe mein Hund wann gefressen hat und kann die Problemzutat beim nächsten Mal einfach weglassen. Auf die Schauergeschichten, die über die Produktion von Trockenfutter an dieser Stelle gerne berichtet werden, möchte ich verzichten, da wir alle nicht wirklich Einsicht in diesen Prozess haben und daher den Wahrheitsgehalt der Erzählungen nicht garantieren können.

Ist Roh Füttern nicht sehr teuer?

Die Frage nach den Kosten war es auch, die mich lange Zeit beschäftigte und das Unternehmen Rohfutter etwas verzögerte. Denn wenn man sich ansieht, was man alles benötigt, schleicht sich der Gedanke ein, dass das doch ganz schön teuer werden könnte. Doch wie beim Fertigfutter gibt es auch beim Rohfutter große Preisunterschiede. Bestehe ich darauf, dass alle Zutaten egal ob Fleisch, Gemüse oder Obst aus biologischem Anbau stammen, wird es richtig teuer. Habe ich das Glück, einen Metzger vor Ort zu haben, der mir seine Schlachtabfälle gratis überlässt und ich Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten ernten kann, ist diese Fütterungsweise extrem günstig. Kauft man das Fleisch im Internet-Handel für Rohfütterer und Obst und Gemüse im normalen Supermarkt, kostet Rohfutter unterm Strich das Gleiche, wie ein gutes Fertigfutter der mittleren Preisklasse. Wer sich lieber mit Zahlen abgibt: Als ich das Fleisch noch kaufen musste (ein Teil kommt in der Zwischenzeit gratis vom Metzger) lagen die Futterkosten für beide Hunde zwischen, 1.40 und 2.50 € pro Tag, je nachdem was auf dem Speiseplan stand. Bei Fertigfutter vertilgten meine Kaltschnauzen 2.20 € pro Tag.

Ist Roh Füttern nicht gefährlich?

Unter dieser Frage ließen sich verschiedene Aspekte zusammenfassen, auf die ich während meiner Recherche immer wieder stieß.


Erstens: Macht rohes Fleisch aggressiv? Ein oft gehörtes Vorurteil, von dem niemand so recht weiß, woher es kommt. Ganz klares nein, rohes Fleisch und Knochen machen nicht aggressiv!


Zweitens: Wie steht es mit den Bakterien und Viren? Wirklich gefährlich ist das Aujeszky-Virus, dass beim Hund eine tödliche Infektion auslöst. Dieses Virus kann durch den Verzehr von rohem Schweinefleisch übertragen werden. Aus diesem Grund darf rohes Schwein in keiner Form auf dem Speiseplan des Hundes stehen. Gerne angeführt werden bei dieser Diskussion auch Salmonellen und Schimmelpilze. Natürlich kann auch ein Hund eine Salmonellenvergiftung bekommen, allerdings lässt sich durch eine lückenlose Kühlkette des Frischfleisches und eine hygienische Arbeitsweise in der Küche verhindern, dass sich die Bakterien vermehren und zur Gefahr werden können.


Drittens: Ist das Füttern von Knochen nicht gefährlich? Gekochte oder geräucherte Knochen werden porös und splittern dadurch schnell. So kann es zu scharfen Spitzen und Kannten kommen, die für den Hund gefährlich werden und schlimme innere Verletzungen auslösen können. Rohe Knochen sind geschmeidig und splittern nicht. Somit besteht kein Verletzungsrisiko. Selbst Hühnerknochen sind im rohen Zustand unbedenklich. Allerdings muss man bedenken, dass Knochen nicht von allen Hunden vertragen werden und es zu Verdauungsproblemen kommen kann. Deshalb sollte man zu Beginn nur kleinere Mengen füttern z.B. Hühnchenhälse, bis man sich sicher ist, dass der Hundemagen mit dem Rohstoff Knochen zurecht kommt.

 

Viertens: Bekommt mein Hund davon keine Mangelerscheinungen? Wenn Sie diese Ernährungsweise gewissenhaft betreiben, ist sie sehr ausgewogen und enthält alle wichtigen Stoffe, die ihr Hund braucht. Es ist nicht nötig jeden Tag alle Komponenten einer ausgewogenen Ernährung zu füttern, es reicht wenn Ihr Dobi sie über einen Zeitraum von mehreren Wochen in der richtigen Dosis zugeführt bekommt. Hand auf’s Herz, wir Menschen (und auch die Wildcaniden) essen auch nicht jeden Tag völlig ausgewogen, so etwas ist von der Natur nicht vorgesehen und auch nicht zwingend notwendig. Allerdings kann es bei falscher Anwendung auch beim Rohfüttern zu Schwierigkeiten kommen. Billinghurst selbst wies darauf hin, dass es sich bei dieser Fütterungsmethode um ein funktionierendes Gesamtkonzept handelt, aus dem man nicht beliebig Aspekte auswählen oder auch weglassen kann. Wer nur Muskelfleisch füttert gefährdet die Gesundheit seines Hundes genau so, wie der, der nur trockene Knochen und Gemüse gibt.

Kann ich damit auch Welpen aufziehen?

Ja kann man und immer mehr Züchter schwören sogar darauf. Gerade bei großwüchsigen Rassen kommt es beim Wachsen häufig zu Komplikationen, weil  Welpenfutter bisweilen zu energiereich ist und die Tiere zu schnell in die Höhe schießen. Auch hier bietet das Rohfüttern den großen Vorteil, dass man genau weiß welche Stoffe in welchen Mengen verfüttert wurden. Allerdings ist die Aufzucht gerade von großwüchsigen Welpen eine etwas heiklere Angelegenheit, als die Ernährung eines erwachsenen Hundes. Deshalb sollte man sich im Vorfeld genauestens über die Bedürfnisse des wachsenden Junghundes und die Inhaltsstoffe der Nahrungsgruppen informieren, bevor man sich an so ein Unternehmen wagt.

Wie berechne ich den Tagesbedarf des Hundes?

Ein erwachsener, gesunder Hund benötigt etwa 2 bis 3 % seines eigenen Körpergewichts, bei Welpen sollten es 4 bis 6% sein. Davon entfallen 70- 90% auf Fleisch und fleischige Knochen die restlichen Prozent entfallen auf Obst und Gemüse. Nach Belieben können dem Gemüseteil noch Milchprodukte oder Getreideprodukte hinzugefügt werden.  Die genaue Tagesration des eigenen Hunde muss man natürlich durch probieren herausfinden. Hält ihr Dobi bei 2% sein Gewicht nicht, sondern nimmt er ab, müssen sie die Ration erhöhen und einfach etwas austesten, was das richtige für Ihren Liebling ist.

Kann man jeden Hund roh füttern?

Egal welche Größe Ihr Hund hat oder welcher Rasse er angehört, generell kann vom Chihuahua bis zum Irish Wolfhound alles roh gefüttert werden, was der Gattung Hund angehört. Natürlich ist es bei den Zwergrassen bisweilen etwas schwieriger mit der Knochenfütterung, da eine Rinderrippe sie überfordern dürfte. Doch mit etwas Einfallsreichtum und alternativen Kalziumquellen, lässt sich auch das Problem lösen